Vom vermüllten Randstreifen zum blühenden Staudenbeet in drei Schritten

Im WinzerVeedel wurden durch die Interessengemeinschaft im Laufe der letzten 3 Jahre in den Randstreifen entlang des Schulgeländes an der Saarstraße und Am Duffesbach sowie in dem Eckbeet beider Straßen Staudenbeete angelegt. Im Winter ist nun die Zeit zum Planen für einen blühenden Sommer und Herbst, daher als Anregung zum Nachahmen und zur Dokumentation folgende Anleitung. In den drei Schritten ‚Planen‘ - ‚Pflanzen‘ - ‚Pflegen‘ gelingt die Anlage eines Pflanzbeetes sicher und nachhaltig.
Vorweg: für eine solche Aktion braucht es Fläche, Fachwissen, viele helfende Hände und finanzielle Mittel. 

vermüllte Fläche vor der Pflanzaktion

1. Planen


Zunächst muss die Flächenverfügbarkeit einer möglichen Pflanzfläche geklärt werden - also wem gehört die Fläche, welche Erlaubnis wird benötigt. Im WinzerVeedel sind es städtische Flächen unter der Verwaltung des Amtes für Gebäudewirtschaft, die ihre Zustimmung für eine Beetpatenschaft erteilte.  
Dann erfolgt eine Analyse der Standortbedingungen die für Pflanzen ausschlaggebend sind: wie sind die Lichtverhältnisse – Sonne oder Schatten, wie ist der Boden beschaffen – gute Pflanzerde oder eher magerer Schotter, wie ist die Verfügbarkeit von Wasser – gibt es Gefälle im Beet oder Konkurrenz durch andere Pflanzen, wieviel Platz in Breite und Höhe stehen zur Verfügung?  Darauf aufbauend wird die Pflanzenauswahl abgestimmt. Auch hier gibt es nun zahlreiche Möglichkeiten, sollen Sträucher, Stauden oder Gräser verwendet werden? Was ist das gewünschte Bild der Pflanzung? 

Im WinzerVeedel fehlen öffentliche Pflanzflächen oder Vorgärten an den Straßen. Der Fokus liegt daher auf einer möglichst bunten und langen Blühzeit und einer hohen Artenvielfalt in den Beeten. Zudem sollen die Pflanzen Trockenheit und Hitze aushalten können und haben teilweise nur einen schmalen Streifen von 80 cm zur Verfügung, der bisher als Fahrradabstellplatz oder als Hundeklo und für Müll missbraucht wurde. Es müssen also äußerst robuste Arten sein!

Die Auswahl fiel auf bewährte Stauden wie Schwertlilie, Katzenminze, Steppensalbei, Brandkraut, Dost, Kugeldistel, Sonnenhut, Schafgarbe, um nur einige zu nennen, und zur Strukturierung einige Rosen. 

Stauden vom Fachhandel

2. Pflanzen


Die Pflanzen werden in einer Baumschule oder Staudengärtnerei in ausreichender Stückzahl pro Quadratmeter bestellt. Die Anzahl richtet sich nach den Wuchseigenschaften der jeweiligen Pflanze und liegt zwischen 3 und 9 Pflanzen pro m².  Ausschlaggebend für den Anwuchserfolg ist eine sehr gute Bodenvorbereitung. Die Pflanzfläche muss ca. 40 cm tief gelockert werden, wobei Steine, Bauschutt, Müll und Unkräuter einschließlich Wurzeln entsorgt werden. Schlechter Boden wird mit Pflanzerde, Kompost und Sand verbessert, je nach Boden auch organischer Dünger eingearbeitet. 

 

Vorsichtiges Austopfen der Pflanzen... 

 

 und das Eckbeet direkt nach der Pflanzung 

 
Nun beginnt der schöne Teil: die Pflanzen werden in der gewünschten Anordnung aufgestellt, vorsichtig aus den Töpfen gezogen und eingepflanzt. Wichtig ist hierbei ein sehr festes Andrücken der Erde um die Ballen und anschließend ein sattes Wässern. Wird im Frühjahr gepflanzt, so zeigt sich schneller der Erfolg, es muss aber je nach Witterung mehr gegossen werden. Bei einer Herbstpflanzung haben die Pflanzen die Chance in der feuchteren Jahreszeit schon neue Wurzeln zu bilden und haben damit einen besseren Start im Frühjahr. 
Je nach finanziellem Rahmen empfiehlt sich auch eine mineralische Mulchschicht (bei Stauden nie Rindenmulch verwenden!) z.B. aus Lavasplitt. Diese Schicht schützt vor dem Austrocknen des Bodes und verdrängt unerwünschten Aufwuchs. 

Um die Blütezeit auch auf das zeitige Frühjahr auszudehnen können im Herbst Blumenzwiebeln in die Lücken gepflanzt werden. Allen voran sind bunte Krokusse, Narzissen und Tulpen die zwischen Februar und April Farbe ins Beet zaubern. 

Blütenflor im Frühjahr

3. Pflegen


Eine intensivere Pflege ist vor allem in den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung notwendig. Dazu gehören das Auflockern des Bodens, das Entfernen von ungewolltem Krautaufwuchs und das Wässern bei Trockenheit. Da die Bepflanzung etwa 2-3 Jahre braucht um eine geschlossene Bodenbedeckung zu erreichen, können zu Beginn auch einjährige Pflanzen (z.B. Mohn oder Ringelblume) dazwischen gesät werden. 

Weitere Pflegemaßnahmen umfassen den Rückschnitt von abgeblühten Stängeln für bessere Nachblüte und zum Winter hin der abgestorbenen Pflanzenteile. Auch Müll und Hundekot sind leider Dauerthema direkt am Bürgersteig und sollten ständig und konsequent entfernt werden. Ein gepflegtes Beet hat höhere Akzeptanz und vermindert weiteren Vandalismus.

Bei der Pflege können alle mithelfen 


 

Mit dem Einwachsen der Pflanzen und Ausbildung eines tiefen Wurzelwerkes kann bei den meisten trockenheitsverträglichen Sorten das Gießen bald auf ein Minimum beschränkt werden. Da es nie ganz vorhersehbar und planbar ist, wie sich eine Pflanzung an einem Standort entwickelt, ist eine dauerhafte Betreuung unerlässlich. In den Jahren nach der Pflanzung können Korrekturen, Um-  oder Nachpflanzungen erforderlich werden – es bleibt also spannend.

Im WinzerVeedel sind die Beete zum Treffpunkt für viele Nachbarn geworden, die sich gerne bei Pflanz- und Pflegeaktionen einbringen, Kontakte knüpfen, Neuigkeiten austauschen und sich an dem wechselnden Blütenflor der Beete erfreuen. 

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Eckbeet im Juni im zweiten Jahr nach der Pflanzung und Spätsommerblüte der Staudensonnenblumen