Kurzbericht zum ersten Kölner Bürgerrat "Mobil im lebenswerten Quartier"

 

Ein Gastbeitrag von Thomas Leszke (Zukunftsrat Köln e.V.)


Köln soll verkehrssicherer, barrierefreier, umweltfreundlicher, lebenswerter und – bekanntlich – klimaneutral werden. Das geht aus den Empfehlungen hervor, die der erste Kölner Bürgerrat am 8. Juli 2025 den Ausschüssen für Verkehr sowie für Beteiligung, Anregungen und Beschwerden vorgestellt hat. 


Im Abschlussbericht des Bürgerrates werden über 100 Maßnahmen vorgeschlagen, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen. Darunter finden sich Vorschläge wie die Lenkung des Durchgangsverkehrs weg aus den Wohnstraßen, die Umnutzung und Begrünung wegfallender Parkplätze oder die systematische Einbindung von Anwohner:innen in die Planung, Instandhaltung und Modernisierung ihrer Wohnviertel.


Viele dieser Ideen sind nicht neu, sondern decken sich in hohem Maße mit den Anliegen von Kölner:innen, die sich in den letzten Jahren bereits auf den Weg gemacht haben, ihre eigene Wohnumgebung lebenswerter zu gestalten. Dennoch ist es wichtig, dass genau diese (und weitere) Anliegen jetzt gesamtstädtisch diskutiert wurden. Denn hiermit finden sie Eingang in die strategische Planung der Stadt – und werden damit perspektivisch für alle Menschen in Köln relevant.


Mehr als ein nachhaltiger Mobilitätsplan


Auftrag des Bürgerrates war es, den zentralen Input zu liefern für eine stadtweite Konzeption mit dem Titel “Mobil im lebenswerten Quartier”. Dieses Konzept, für das die Verwaltung voraussichtlich 2026 einen ersten Entwurf vorlegen wird, soll helfen, gleich mehrere Ziele aus der Stadtstrategie “Kölner Perspektiven 2030+” umzusetzen. Dazu zählen insbesondere die Leitsätze 1 (“kompakte und lebenswerte Quartiere”) und 5 (“klimagerechtes und umweltfreundliches Wachstum”).


Funktional dürfte dieses Konzept komplementär sein zum nachhaltigen Mobilitätsplan (Sustainable Urban Mobility Plan, kurz SUMP), das ebenfalls in Arbeit ist. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Gestaltung und Nutzung von Räumen in den Wohnquartieren sowie auf der Aktivierung und Beteiligung der Menschen vor Ort. Wie genau die beiden Planungsinstrumente voneinander abgegrenzt werden, ist noch nicht abschließend geklärt.


Da Köln städtebaulich, aber auch von der Bevölkerungsstruktur her sehr heterogen ist, gibt es selbstverständlich keine Patentlösung für alle Quartiere. Vielmehr soll die stadtweite Konzeption einerseits einen planerischen Rahmen mit allgemeinen Prioritäten, andererseits aber auch einen Steinbruch an Ideen bieten, welche die Menschen vor Ort bei der konkreten Umsetzung selbst priorisieren können. 


Rückenwind für Pionier:innen


Absehbar dürften die Ergebnisse des Bürgerrates dazu beitragen, dass die Initiativen, die sich in einigen Veedeln bereits gebildet haben, mehr Unterstützung erfahren. Denn sowohl den Mitgliedern des Bürgerrates als auch der Verwaltung ist die zeitnahe Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen ein ausdrückliches Anliegen – und bereits vorhandene  Beteiligungsstrukturen im Veedel bieten ideale Voraussetzungen für solche “quick wins”.


Ein Lichtblick gelebter Demokratie


Im Bürgerrat kamen 60 zufällig ausgewählte Kölner:innen aller Stadtbezirke, Altersgruppen, Bildungsgrade und verschiedenster Herkunft zusammen. Zwischen März und Mai 2025 setzten sie sich an fünf Sitzungstagen mit der Thematik auseinander und debattierten miteinander um die besten Lösungen für Köln. Dabei erhielten sie Unterstützung durch Moderator:innen bei der Arbeit in Kleingruppen sowie eine große Bandbreite an Fachwissen aus Vorträgen von, und Gesprächen mit, Expert:innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft. 


Da es sich hierbei um ihren ersten Bürgerrat überhaupt handelte, hatte sich die Stadt im Vorfeld bemüht, die Erwartungen niedrig zu halten. Ausdrücklich als “Pilotprojekt” tituliert, wurde auf Öffentlichkeitsarbeit fast vollständig verzichtet. Im Prozess zeigte sich allerdings schon früh, dass hier in Köln ein Nerv getroffen wurde: Von den 7.000 per Zufallsauswahl eingeladenen Kölner:innen meldeten sich 1.400 tatsächlich zur Teilnahme an – eine auch im internationalen Vergleich beeindruckend hohe Quote.


Unter den 55 Menschen, die schließlich regelmäßig an den Sitzungen teilnahmen, entwickelte sich bald trotz der sehr unterschiedlichen Biografien, Ansichten und Interessen eine zielstrebige, herzliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Deutlich wurde dabei unter Anderem, dass neben allem Fachwissen die wichtigste Quelle der Expertise bereits vorhanden war: Schwarmintelligenz, mehrere Tausend Jahre kumulative Lebenserfahrung, gesunder Menschenverstand, Interesse am Gemeinwohl und ein Wille zur Konsensfindung, den Menschen eigentlich immer mitbringen, wenn sie sich gesehen und gehört fühlen.


Dies stellte auch Ascan Egerer, Dezernent der Stadt Köln für Mobilität, mit Enthusiasmus fest, als er dem letzten Sitzungstag beiwohnte und die Ergebnisse im Namen der Stadt entgegennahm. Und so verwundert es nicht, dass der Bürgerrat den letzten Teil seiner Fragestellung – Wie sollen die Menschen in den Veedeln an der Umsetzung der Maßnahmen beteiligt werden? – im Wesentlichen so beantwortete: Es soll Quartiers-Bürgerräte geben.


Thomas Leszke und Zukunftsrat Köln e.V. standen der Stadt Köln bei der Konzeption und Umsetzung des Bürgerrates beratend zur Seite.


Herzliche Einladung zum Stadtgespräch “Beteiligung, Bürgerräte und gelebte Demokratie in Köln” mit Kandidat:innen für den Stadtrat, am 09.09. um 19:00 Uhr im Bürgerhaus Stollwerck