Parken im Winzerveedel
Eine Aushandlung des öffentlichen Raums
Ein Beitrag von Dominik Kerl, Planungsbüro VIA / Changing Cities e.V.
Das Winzerveedel soll lebenswerter werden. Gefordert sind eine Steigerung der Wohn- und Aufenthaltsqualität sowie Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, Schulwegsicherheit und Klimaanpassung. Doch was bedeutet das konkret für das Parken im Veedel? Dieser Frage möchte ich ausführlich nachgehen.
Das vergessene Winzerveedel?
Als Verkehrsplaner betrachte ich das Winzerveedel mit dem Blick von außen. Dabei stelle ich zunächst fest, dass die hochwertige Verkehrsberuhigung, wie sie seit den 1980er Jahren im Agnesviertel, der Südstadt oder Sülz umgesetzt wurde, hier nicht vollzogen wurde. Die Fahrbahnen sind schnurgerade, die Kreuzungen überdimensioniert, vielerorts fehlen Bäume und es gibt keine hochwertig gestalteten Plätze, die zum Verweilen einladen. Hier besteht deutlicher Nachholbedarf!
Strategien und Konzepte geben die Richtung vor
Die Stadtverwaltung handelt auf Basis politischer Beschlüsse, Konzepte und Leitlinien.
Auf gesamtstädtischer Ebene formuliert die Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ das Ziel, mehr Platz für den Fuß- und Radverkehr zu schaffen. Straßenräume sollen neu bewertet und gerechter verteilt werden. Flächen, die bislang überwiegend dem motorisierten Verkehr dienen, sollen künftig stärker für die umweltfreundliche Mobilität sowie Aufenthalts- und Grünflächen genutzt werden. Dies ist auch Inhalt des nachhaltigen Mobilitätsplans, der derzeit für Köln aufgestellt wird. Im Winzerveedel sieht zudem das 2016 beschlossene Radverkehrskonzept Innenstadt Fahrradstraßen entlang der Achsen Am Duffesbach sowie der Pfälzer Straße / Moselstraße vor. Nach dem umfassenden Bürgerantrag der IG Winzerveedel folgte noch ein für Köln neues Instrument: Ein eigens eingerichteter Bürgerrat hat über die Vorgehensweise und Maßnahmen für lebenswerte und verkehrsberuhigte Quartiere beraten, woran sich nun ebenfalls orientiert werden sollte.
Verkehrsplaner Dominik Kerl, Planungsbüro VIA / Changing Cities e.V.
Flächengerechtigkeit: Wie viel Platz soll’s sein?
Vor allem in dicht besiedelten Stadträumen wird das Parken von Autos zunehmend kritisch gesehen. Es werden zu viele Nutzungsansprüche an den öffentlichen Raum gestellt. Festzustellen ist, dass das Auto im Mobilitätsverhalten der Kölner Bevölkerung eine immer geringere Rolle spielt. So legen die Anwohnenden der Innenstadt 85 % ihrer Wege mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zurück, nur 15 % mit dem motorisierten Verkehr. Im Bezirk Neustadt-Süd besitzen 59 % der Haushalte kein eigenes Auto (Stand: 2018). Ein Blick auf die Straßen des Winzerveedels zeigt jedoch ein anderes Bild: Parkende Autos nehmen einen großen Teil der Fläche ein.
Das sogenannte „aufgesetzte Parken“, also das Parken teilweise oder vollständig auf dem Gehweg, ist bis heute im Winzervedel stark verbreitet. Besonders entlang der Burgunderstraße und Saarstraße stehen dem Fußverkehr nur geringe Restbreiten zur Verfügung. Der Stadtrat formulierte 2021 im Masterplan Parken neue Standards zum Parken in Köln. Darin wurde beschlossen, dass das Gehwegparken dort entfallen soll, wo eine nutzbare Gehwegbreite von 2,0 m unterschritten wird. Aktuelle Gerichtsurteile und gesetzliche Vorgaben machen deutlich, dass der öffentliche Raum barrierefrei zu gestalten ist. So empfehlen die deutschen Regelwerke bereits seit dem Jahr 2002 eine Mindestgehwegbreite von 2,50 m, die je nach Umfeld auch höher ausfallen sollte. Rollstuhlfahrende benötigen demnach 1,50 m Platz, falls Sie im Falle eines Hindernisses die Richtung wechseln müssen. Denn auch frei abgestellte Fahrräder, E-Scooter und private Mülltonnen engen die Gehwege weiter ein.
Wohin mit den parkenden Autos?
Klar ist: Durch die notwendige Barrierefreiheit, Maßnahmen zur Klimaanpassung und den Ausbau von Flächen für Fuß- und Radverkehr wird es künftig weniger Parkplätze am Straßenrand geben. Die verbleibenden Parkplätze sollten deshalb hinsichtlich Parkdauer, Bepreisung und Nutzenden gezielt gesteuert werden. Aktuell bestehen in dem Bewohnerparkgebiet, SÜD I, zu dem das Winzerveedel gehört, unterschiedliche Parkregelungen. So gibt es an der Volksgartenstraße für lediglich fünf Euro pro Tag Dauerparkplätze für Auswärtige. Zum Vergleich: Reguläres Parken kostet in der Innenstadt vier Euro je Stunde. Diese niedrigen Gebühren ziehen zusätzlichen Parksuchverkehr in die Wohnstraßen. Dieses Modell erscheint für eine innenstadtnahe Lage kaum noch zeitgemäß. Gleichzeitig erlaubt die Straßenverkehrsordnung eine deutlich stärkere Ausweitung des exklusiven Bewohnerparkens. Tagsüber können bis zu 50 % aller vorhandenen Parkplätze für Menschen mit Bewohnerparkausweis reserviert werden, nachts sogar bis zu 75 %. Sonderformen wie Lade- und Lieferzonen sowie Behindertenparkplätze sollten nach Bedarf ebenfalls ausgeweitet werden.
Alternativen sind vorhanden
Der Wegfall von Parkplätzen erfolgt nicht ohne Grund. Die frei werdenden Flächen schaffen Raum für andere Verkehrsmittel und Aufenthalt. Gerade im innerstädtischen Bereich sind Fuß- und Radverkehr auf vielen Wegen bereits heute eine praktikable Alternative zum eigenen Auto. Auch die Fahrt mit Bus und Bahn beginnt letztlich an der eigenen Haustür.
Zudem wird das stationsbasierte Carsharing in Köln weiter ausgebaut. Anfang des Jahres kündigten die Stadt Köln und Cambio eine Erweiterung des Angebots um 35 zusätzliche Stationen an. Davon profitiert auch das Winzerveedel und seine Nachbarschaft. Neben den bestehenden Standorten an der Moselstraße und am Rathenauplatz entstehen neue Stationen am Salierring, am Eifelwall und in der Elsaßstraße. Auch für Menschen, die weiterhin ein eigenes Auto besitzen, bestehen neue Alternativen. So wurde vom Anbieter Ampido am Bischofsweg eine neue Fläche für das Dauerparken eingerichtet. Dort sind Stellplätze für rund 40 Euro pro Monat verfügbar – nur wenige Minuten mit dem Rad vom Winzerveedel entfernt.
Es zeigt sich immer wieder: Beim Parken sind wir flexibler, als wir denken. Im Zuge von Baustellen, Demonstrationen oder des Kölner Karnevals fallen oftmals Parkplätze für Tage, Wochen oder Monate weg. Dann zeigt sich wieder, wie flexibel wir doch sind. Die bereits umgestalteten Straßenzüge, wie der Friesenwall, die Engelbertstraße oder Ewaldistraße machen auch deutlich, dass sich die Nachbarschaft an die Veränderungen anpasst und sich die neue Situation nach einer Eingewöhnungszeit einpendelt. Heute haben wir dort mehr Flächen zum Gehen und Verweilen, mehr Grün, ein entspannteres Radfahren und eine gesteigerte Wohnqualität. Und auch parkende Autos finden dort nach wie vor ihren Platz, genauso wie die anderen Verkehrsarten.